Dresden zu Fuß
Ortsgruppe des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V.

Stellungnahme zum Radverkehr auf Gehwegen

Aufhebung von Gehwegfreigaben für den Radverkehr im Bereich OA Altstadt

Dresden, den 21. Januar 2018

Sehr geehrter Herr Prof. Koettnitz,

in der Dresdner Altstadt erlauben Sie dem Radverkehr an vielen Stellen die Gehwege zu nutzen. Wir bitten Sie, diese Gehwegfreigaben aufzuheben.

Gehwegfreigaben für den Radverkehr aus Fußverkehrs-Perspektive

Aus unserer Sicht wurde in der Vergangenheit die Trennung von Fuß- und Radverkehr bei Neu- und Umplanungen zu wenig beachtet. Vielfach wurde die Mischung von Fuß- und Radverkehr als selbstverständliche Lösung praktiziert, sofern die Einrichtung von Radverkehrsanlagen aufgrund der tatsächlichen Platzverhältnisse oder aufgrund der Höhergewichtung der Belange des Kfz-Verkehrs (Zahl der Fahrsteifen, Stellplätze) nicht möglich war. Dies führt für Fußgängerinnen und Fußgänger an zahlreichen Straßen in Dresden zu einer verringerten Sicherheit (objektiv und subjektiv), zu gefährlichen Konflikten und Unfällen – nur in den seltensten Fällen werden diese polizeilich registriert – und vor allem zu einem erheblichen Gefühl der Bedrohung durch den deutlich schnelleren Radverkehr.

Wir wissen natürlich, dass der Radverkehr seinerseits auch oft durch zu schnelle und/oder rücksichtslose Kfz verunsichert bzw. bedroht wird und deshalb auf Gehwege (auch ohne Freigabe) ausweicht. Allerdings steht das aus unserer Sicht nicht der Aufhebung von Gehwegfreigaben im Weg. Denn zum ersten sehen wir den Radverkehr primär als Verkehrsmittel auf der Fahrbahn und nicht im Seitenraum – und dafür setzen wir uns auch zusammen mit dem ADFC ein. Zweitens existieren in Dresden auch zahlreiche Gehwegfreigaben, die aus Sicht des Radverkehrs nicht notwendig sind, da Stärken und Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs eine (ausschließliche) Führung im Mischverkehr zulassen. Praktisch stellt auf dem Gehweg geführter Radverkehr selbst bei breiten Gehwegen immer ein Problem für Fußgängerinnen und Fußgänger dar.

Wo immer möglich sollten daher Gehwegfreigaben für den Radverkehr aufgehoben werden, damit jene Gehwege wieder allein dem Fußverkehr zur Verfügung stehen.

Anmerkung zum Verkehrsklima

Ein weiterer wichtiger Punkt ist aus unserer Sicht die Nachvollziehbarkeit und Nutzerfreundlichkeit des Verkehrssystems. Die häufige Erlaubnis oder Verpflichtung zum Befahren von Gehwegen trägt leider dazu bei, dass vielfach kein oder kaum ein Problembewusstsein bzgl. der illegalen Nutzung von Gehwegen vorherrscht. Denn für viele Radfahrer und Radfahrerinnen ist es nicht nachvollziehbar und nicht vermittelbar, warum an zahlreichen Stellen das Fahren auf Gehwegen erlaubt ist, an allen anderen Stellen dagegen ein Unfallrisiko darstellt bzw. als rücksichtsloses Verhalten eingestuft wird. Dadurch wird unseres Erachtens die Atmosphäre zwischen den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern zusätzlich verschlechtert (Verkehrsklima).

Unsere Verbesserungsvorschläge

Wir bitten Sie, die Freigaben der Gehwege für den Radverkehr an folgenden Straßenabschnitten aufzuheben:
a) Jahnstraße, beidseitig zwischen Könneritzstraße und Schützengasse sowie nordöstlicher Gehweg zwischen Grüne Straße und Schützengasse
Die Jahnstraße ist in beide Richtungen vom Kfz-Verkehr nur schwach frequentiert, eine Radverkehrsführung im Mischverkehr daher unproblematisch. Der nordöstliche Gehweg ist mit einer tatsächlich nutzbaren Breite von rund 1,50 m sehr schmal. Beide Gehwege werden nennenswert von Fußverkehr frequentiert, auf der nordöstlichen Seite v.a. auf der Verbindung vom Bahnhof Mitte zur Musikhochschule, auf der südwestlichen Seite v.a. aufgrund des Einzelhandels. Der südwestliche Gehweg wird zudem oft durch Falschparken eingeengt.

b) Devrientstraße, südlicher Gehweg zwischen Marienbrücke/Könneritzstraße und Ostra-Ufer
Die Devrientstraße wird im entsprechenden Abschnitt in Fahrtrichtung Ost vom Kfz-Verkehr kaum genutzt (DTV 600 Kfz laut Themenstadtplan). Diese Nutzung wird nach dem angekündigten Umbau zur Verhinderung des illegalen Linksabbiegens von der Marienbrücke voraussichtlich noch einmal abnehmen. Der Gehweg an der Devrientstraße ist zwar breit, die Geschwindigkeiten im Radverkehr sind aufgrund der Längsneigung jedoch hoch. Eine Notwendigkeit für die Freigabe des Gehweges besteht aus Sicht des Radverkehrs nicht.

c) Ostraallee, nördlicher Gehweg zwischen Am Zwingerteich und Könneritzstraße
Die Ostraallee wird in etwas größerem Maße vom Kfz-Verkehr genutzt (DTV rund 6.000 Kfz), allerdings sind die Fahrstreifen sehr breit, so dass auch dort der Radverkehr (ausschließlich) im Mischverkehr geführt werden kann. Der nördliche Gehweg ist aufgrund der dortigen Haltestellenausstattung punktuell auf etwa 1 m eingeengt und an dieser Stelle auch schlecht einsehbar. Grundsätzlich ist schon aus Sicht der Barrierefreiheit eine Anpassung des Seitenraumes (z.B. Versetzen des Unterstandes auf die (private) Fläche nördlich des Gehweges) notwendig, um bspw. auch Personen mit Rollstuhl eine ungehinderte Fortbewegung zu ermöglichen. Gegebenenfalls können auf der Fahrbahn Schutzstreifen oder (zumindest ab der Einmündung der Kleinen Packhofstraße) Radfahrstreifen markiert werden, sofern seitens des STA die Notwendigkeit zur Verbesserung der Verträglichkeit der Fahrbahnführung gesehen wird. Die Nutzung des freigegebenen Gehweges ist derzeit aufgrund der Sichtverdeckungen durch parkende Kfz an der Einmündung der Kleinen Packhofstraße auch für den Radverkehr mit einer erheblichen Gefährdung durch abbiegende Kfz verbunden.

Wir freuen uns über Ihre Antwort und die Berücksichtigung unserer Vorschläge.
Bei Fragen stehen wir jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung.