Dresden zu Fuß
Ortsgruppe des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V.

Bauvorhaben Bautzner Straße (Prießnitzstraße bis Stolpener Straße)

Stellungnahme zum Planfeststellung für das Bauvorhaben „Bautzner Straße von Prießnitzstraße bis Stolpener Straße einschließlich Brücke über die Prießnitz“ gemäß § 28 Personenbeförderungsgesetz (PBefG) i. V. m. § 73 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) (Gz.: DD32-0522/479)

Dresden, den 01. Dezember 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir begrüßen sehr, dass sich die schmalere Variante B in der Planung durchgesetzt hat und nun zur Ausführung kommen soll. Dennoch gibt es aus Sicht von Dresden zu Fuß als Ortsgruppe des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland (FUSS e.V.) folgende Kritikpunkte, die zugunsten der Verkehrsqualität/-sicherheit beachtet werden sollten:

  1. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die Mindestgehwegbreite von 2,50 Meter (gemäß RASt 06, Abschnitt 6.1.6.1) an keiner Stelle unterschritten wird. An der Stelle, wo dem Radverkehr der Linksabbieger in die Radeberger Straße zum rechtseinordnen angeboten wird, wird dieses Mindestmaß unterschritten. Eine Möglichkeit wäre, die Fahrstreifenbreite von über 4 Metern auf max. 3,50 Meter zu reduzieren. Die vorgesehene Fahrstreifenbreite liegt nicht nur deutlich über den Regelwerten der RASt 06, Abschnitt 6.1.1.2, sondern auch oberhalb der laut DVB für die breiteren Stadtbahnwagen notwendigen Fahrstreifenbreite.

  2. Jegliche Freigabe der Gehwege für den Radverkehr muss mit Ausnahme der Anbindung der Forststraße) vermieden werden. Die Radverkehrsanlagen sind so auszubilden, dass der Fußverkehr die Gehwege allein nutzen kann, abgesehen von querendem Radverkehr. Besonders verweisen wir dabei auf das vom Dresdner Stadtrat beschlossene Radverkehrskonzept, demzufolge es sich sowohl bei der Bautzner Straße, wie auch der Radeberger Straße und den Diakonissenweg um Hauptverkehrsverbindungen des Radverkehrs handelt. Für diese (und damit auch für die Abbiegebeziehungen, die diese Routen verbinden) ist eine gemeinsame Führung von Fuß- und Radverkehr grundsätzlich ungeeignet (EFA, Abschnitt 3.1.2.5). Es ist aus den Planungen nicht erkennbar, dass die Festlegungen des Radverkehrskonzeptes in der Planung überhaupt berücksichtigt wurden.

  3. Die Radverkehrsführung zum Linksabbiegen von der Bautzner Straße in den Diakonissenweg über den Gehweg ist ungünstig. Konflikte mit dem Fußverkehr sind vorprogrammiert, besonders auf der Südseite, wo der Radverkehr auf dem bereits schmalen Gehweg ein Stück entgegen der Fahrtrichtung zurücklegen muss.

  4. Die Beläge an allen Einfahrten sollten durchgängig im Belag der Gehwege ausgebildet werden. Besonders an den beiden Einmündungen der Tankstelle, wo derzeit ein durchgängiger Asphaltbelag ist, wäre eine Unterbrechung durch das geplante Großpflaster eine Verschlechterung für den Fußverkehr. Zudem erhöht die materialbezogene und optische Durchführung die Fußverkehrs-Sicherheit und die Aufmerksamkeit der Autofahrerinnen und Autofahrer. Das gilt auch für die Einmündungen des Krankenhauses am westlichen Ende des Plangebietes, welche zwar derzeit in Großpflaster ausgeführt sind, damit aber nicht den Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen (EFA) entsprechen (EFA, Abschnitt 3.1.2.6: „Bei der Gestaltung ist eine höhenmäßige und optische Durchgängigkeit des Gehweges anzustreben. [...] Gehwegüberfahrten sollten in Längsrichtung möglichst nicht durch Absenkungen, Borde und Materialwechsel unterbrochen werden.“). Dabei sind auch die besonders hohen Anforderungen an die Barrierefreiheit im Umfeld des Diakonissenkrankenhauses zu beachten.

  5. Da auch im Erläuterungsbericht davon ausgegangen wird, dass der Motorisierte Individualverkehr (MIV) mit hoher Wahrscheinlichkeit weiträumige Umfahrungen der Baustelle vornehmen wird schlagen wir für die Bauzeit folgendes vor: Um die Bauzeit eventuell zu verkürzen und das Diakonissenkrankenhaus und die Anwohner zu entlasten, wäre es günstiger, den Schwerlastverkehr ganz von der geplanten Umleitungsstrecke durch die Holzhofgasse auszuschließen und prinzipiell großräumig umzuleiten. Auch der übliche Durchgangsverkehr sollte auf das Minimum begrenzt werden und die Strecke während der Bauzeit hauptsächlich für die Anwohner und Lieferanten zur Verfügung stehen.

  6. Aufgrund der sensiblen Umfeldnutzung ist auch während der Bauzeit die Trennung von Fuß- und Radverkehr weiter zu gewährleisten.

  7. Zur Gestaltung des neuen Platzes am Ende der Forststraße wäre eine öffentliche Beteiligung wünschenswert. Die wenigen Details, die aus dem Lageplan hervorgehen, sind unzureichend. Es lässt sich nur auf den Belag und zwei Baumneupflanzungen schließen. Das ist uns zu wenig.