Dresden zu Fuß
Ortsgruppe des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V.

Besser zu Fuß in Strehlen

Gemeinsame Begehung mit Studierenden der TU Dresden zeigt vielfältigen Verbesserungsbedarf für die Straßenraumgestaltung in Strehlen

Dresden, den 13. September 2017

Angehende VerkehrsingenieurInnen der TU Dresden befassten sich 1 Jahr lang in einem Vertiefungs-Seminar mit der Straßenraumgestaltung von Dresdner Praxisbeispielen. Ein Untersuchungsgebiet war dabei der Stadtteil Strehlen, speziell der Abschnitt Altstrehlen vom Wasaplatz bis zur Christuskirche, inkl. Kaitzbachweg. Nach der Analyse von Stärken und Schwächen für die einzelnen Verkehrsteilnehmer wurde deutlich, dass vor allem der Fußverkehr aktuell vernachlässigt wird. Deshalb wandte sich die Seminargruppe an Dresden zu Fuß, um Ihre Analyse zu schärfen und Impulse vor allem aus Sicht der zu Fußgehenden zu erhalten. In einer gemeinsamen Begehung im Mai 2017 konnten viele Defizite festgehalten und Verbesserungsmöglichkeiten entwickelt werden.

Probleme, Mängel und Verbesserungsvorschläge für den Fußverkehr an einzelnen Orten in Altstrehlen

Durch die für das städtische Umfeld zu hohe Kfz-Belegung besteht entlang der Straße Altstrehlen eine große Trennwirkung. Dies erschwert nicht nur punktuell, sondern flächenhaft das Queren für den Fuß- und Radverkehr. Die Barrierefreiheit ist zudem nicht durchgängig vorhanden.

Häufig fehlt das bauliche Hervorheben der Bevorrechtigung von FußgängerInnen sowie die generelle Abgrenzung des Nebennetzes.

Neubau Dorfanger Altstrehlen

Auch beim Neubau des Dorfangers Altstrehlens fehlt eine eindeutige Hervorhebung der Bevorrechtigung für den Fußverkehr

Die bestehende Fußgängerinsel scheint nicht optimal zu liegen, einerseits befindet sie sich abgesetzt von den eigentlichen Fußverkehrsverbindungen des Parks und andererseits ist die Nachfrage einer Querungsmöglichkeit an anderen Stellen deutlich größer (insbesondere Kreuzung Lannertstr./ Altstrehlen). Zudem sind die Sichtverhältnisse beim Queren im Bereich der Fußgängerinsel durch die längsparkenden Kraftfahrzeuge eingeschränkt.

Die Querung an der Kreuzung Lannerstr./ Altstrehlen ist insbesondere zur Spitzenstunde kaum möglich. Sowohl für FußgängerInnen als auch RadfahrerInnen müssen durch das hohe Verkehrsaufkommen im Zuge Altstrehlen sowie den hohen Abbiegegeschwindigkeiten der Kfz in die Lannertstraße lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Kreuzung Lannerstraße Altstrehlen

Die Kreuzung Lannerstr./ Altstrehlen zu den Unfallhäufungsstellen in Dresden.
Eingeschränkte Sichtverhältnisse erschweren das Linksabbiegen für Kfz, sodass es häufig zu riskanten Manövern kommt. Dies fördert zugleich Konflikte mit wartenden Fußgängern und Radfahrern, welche am Knotenpunkt queren möchten. Gerade mit Blick auf die Wichtigkeit der fußläufigen Anbindung des Hp. Strehlens über den Kaitzbachweg ist dies nicht akzeptabel.

Des Weiteren ist der Kaitzbachweg ausschließlich als Fußweg beschildert, wird allerdings auch von den Radlern rege genutzt. Attraktive Alternativen im umliegenden Verkehrsnetz fehlen. Mit dem Bau der Oskarstraße ist die Situation nun noch verschärft.

Konflikte mit dem Radverkehr am Kaitzbachweg

Häufig sind Radfahrende mit hoher Geschwindigkeit unterwegs, sodass es an der unübersichtlichen Kurve häufig zu Beinahe-Zusammenstößen kommt. Durch fehlende Radverkehrsanlagen entlang des Straßenzuges Altstrehlen steigt außerdem das Konfliktpotenzial auf den Gehwegen mit dem Fußverkehr, da der Mischnutzung mit dem Kfz-Verkehr für Radler häufig zu gefährlich scheint. Der Seitenraum ist allerdings deutlich zu schmal für die gemeinsame Nutzung von Rad- und Fußverkehr.

Im Bereich der Christuskirche sind häufig unangepasste Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs im Tempo 30 -Abschnitt zu beobachten. Gesicherte Querungsstellen und erschwerte Sichtverhältnisse bürgen für FußgängerInnen ein großes Risiko beim Queren. Eine gesicherte Erreichbarkeit von Kirche, Kita und den Kleingartenanlagen ist nur mit Umwegen möglich.

Wie muss aus verkehrsplanerischer und städtebaulicher Sicht prinzipiell an die Verbesserung in Strehlen herangegangen werden?

Bei der Bearbeitung betrachteten die StudentenInnen eine Vielzahl von verkehrsplanerischen sowie –organisatorischen Möglichkeiten und entwickelten dazu mehrere Varianten. Dabei sind u. a. Geschwindigkeitsbeschränkungen, Einbahnstraßenregelungen, aber auch die Abkappung des Straßenzuges Altstrehlen vertreten. Entsprechende Alternativrouten mitsamt möglichen Ausbaunotwendigkeiten wurden ausgearbeitet. Folgende zugrundegelegten Stichworte sind dabei vor allem aus Sicht des Fußverkehrs bei den Maßnahmen zu nennen:

  • Einarbeitung des Leitzieles: „Stadtteil für Jung und Alt“
  • Der Besitzbare Stadtteil (Bsp. Griesheim) – Schaffung von Flächen zum Verweilen für jüngere und ältere Verkehrsteilnehmer (Stärkung der Aufenthaltsfunktion)
  • Planning for People - Jan Gehl
  • Verkehrsraum als Sozialen Raum betrachten – Interaktion zwischen den Verkehrsteilnehmern
  • Renaturierung und Öffnung des Kaitzbaches, Verbindung der Grünzüge
  • Erweiterung der Parkfläche – Umnutzung der Brachfläche, Spielplatz, Abenteuerplatz, Natur mitten in der Stadt. Einbeziehung und Erweiterung des vorhandenen Gemeinschaftsgartens möglich?
  • Stärkung des Gutshofs Altstrehlen: Gemeinde und Kulturzentrum, Treffpunkt für Jung und Alt
  • Prüfung von Zebrastreifen an potenziellen Querungsstellen
  • Verengung der Fahrbahn, Wegfall des Längsparkens, Verbreiterung der Gehwege
  • Aufpflasterung der Zufahrt Lannerstraße, einschl. Verkleinerung der Abbiegeradien
  • Gestaltung der unstrukturierten Parkplatzfläche