Dresden zu Fuß
Ortsgruppe des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V.

Gefährliche Sicherheitslage am Knotenpunkt Karcherallee-Stübelallee

Gefährliche Sicherheitslage am Knotenpunkt Karcherallee-Stübelallee

Dresden, den 17. Mai 2017

Sehr geehrter Herr Schmidt-Lamontain,
sehr geehrter Herr Prof. Koettnitz,

SWIS und Dresden zu Fuß haben am 05. Mai 2017 eine Vor-Ort-Begehung am Knotenpunkt Stübelallee-Karcherallee durchgeführt. Die Situation ist sehr gefährlich. Wir bitten Sie umgehend um Prüfung und die Umsetzung von Verbesserungs-maßnahmen. Im Folgenden dokumentieren wir Ihnen die Situation und unsere Motivation, die Situation anzusprechen, sowie Vorschläge zur Verbesserung.

Hintergrund und Motivation

Einige BewohnerInnen des Betreuten Wohnen der „Wiesenhäuser“, einer AWO-Einrichtung mit über 100 Wohnungen (davon ca. 1/5 rollstuhlgeeignet), baten in der monatlichen Sprechstunde des Grunaer Senioren-und Behindertenbeirats Peter Müller am 12.04.2017 um Hilfe. Sie wissen sich nicht mehr zu helfen, sie erleben Angst im Alltagsverkehr.

Ihnen geht es um die Kreuzung Karcher Allee/Stübelallee, vor allem deren südlichen Bereich am Eingang zum großen Garten. Für RollatornutzerInnen seien Fußwege und Straßenübergänge mit verschiedenen Pflastern, vielen Löchern inkl. langstehender und großflächiger Pfützen etc. nur unter Aufbieten höchster Geschicklichkeit und Kraft nutzbar. Die BewohnerInnen möchten am Leben außerhalb ihrer Wohnanlage teilnehmen, wie wir alle!

Insgesamt 13 Teilnehmende machten sich am europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein Bild (und Ton angesichts des Verkehrslärms) an der stark befahrenen Kreuzung. Die AnwohnerInnen fanden VertreterInnen der Behinderten-und Seniorenselbsthilfe ebenso an ihrer Seite wie FußverkehrsaktivistInnen und – last not least – eine Vertreterin der angrenzenden Wohnungsgenossenschaft. Die Einladung an die Stadtverwaltung blieb außer zweier krankheitsbedingter Absagen resonanzlos, mithin war der öffentliche Verantwortungs-träger nicht anwesend.

Den OrganisatorInnen des Rundgangs ging es konkret darum, den Zustand auf den Gehwegen und Straßenübergängen rund um die Kreuzung Karcherallee/Stübelallee in Dresden-Gruna vor Ort zu besichtigen, die Probleme der AnwohnerInnen und PassantInnen aufzunehmen, zu fotografieren etc. und mögliche Schritte zur Verbesserung der Situation zu überlegen. Die Eigentümer (Wohnungsgenossenschaft Aufbau e.G.) und Betreiber des Betreuten Wohnens (ASB-Regionalverband Dresden e.V) bekundeten, bereits Bemühungen zur Verbesserung der Situation unternommen zu haben, leider ohne Erfolg.

Bestandsaufnahme

a) Anforderung der Älteren an Verkehrssystem sind wichtig: Im unmittelbaren Umfeld wohnen viele Hochbetagte. Betreutes Wohnen und angenehmes Wohnen für Benachteiligte oder Eingeschränkte Gruppen sind zentrales Thema in der Stadt, sei es bei den Überlegungen zum entstehenden Wohnkonzept, dem Thema ÖPNV oder Barrierefreiheit allgemein. Dementsprechend sollte die Qualität des besagten Knotenpunktes für das Queren von mobilitätseingeschränkten Personen und den Fußverkehr, hohe Priorität bei der Stadt genießen.

b) Gefährliche Querung durch Stolperfallen: Beim Übergang über die Karcherallee Richtung Großer Garten ist die Fahrbahn zu einem Hindernis in Gestalt von „Straßenfalten“ angehoben, wo nicht nur RollatornutzerInnen mächtig „klettern“ müssen.

Zerstörte Fahrbahn an Ampelkreuzung

Nahaufnahme der zerstörten Fahrbahn an der Ampelkreuzung Karcherallee / Übergang zum Großen Garten

Vom Übergang des Fussweges auf die Strasse Richtung Großer Garten befindet sich eine ca. 5 cm hohe Wölbung der Straßendecke auf der linken Seite des Überweges. Dies macht eine Überquerung mit Rollatoren unmöglich. Auch RadfahrerInnen, Menschen mit Rollstühlen und Gehbehinderungen haben hier massive Schwierigkeiten, da sie im Prinzip auf eine negative Bordsteinkante treffen. Blinde könnten meinen, auf den Fußweg zu steigen, betreten aber die Fahrbahn...

Passanten queren schlechte Straße

An der Ampelkreuzung Karcherallee / Übergang zum Großen Garten, Grünphase, Start der Querung, Aufnahme der Straßenbeschaffenheit, Passanten queren aufgrund der schlechten Beschaffenheit der Strasse zum Großteil außerhalb der Markierung die Strasse

c) Zu kurze Grünphasen: Beim Überqueren der Karcherallee konnten wir nach-empfinden, wie es sich dort mit Rollator oder Gehhilfe geht und wie man es mit Mobilitätseinschränkungen schafft, in den im Verhältnis zur Fahrbahnbreite sehr kurzen Grünphasen die Straße mit all ihren Hindernissen zu überwinden. Die Lichtsignalanlagen (LSA) sind prinzipiell ohne akustisches Signal ausgestattet und die Schaltung über die Karcherallee ist mit 4 bis 5 Sekunden in der Grünphase bestenfalls für FahrradfahrerInnen geeignet – FußgängerInnen fühlen sich hier über den Damm getrieben und geraten in Konkurrenz zum Fahrradverkehr.

Kurze Ampelphase

An der Ampelkreuzung Karcherallee / Übergang zum Großen Garten (Richtung Wiesenstrasse): 2 Fahrradfahrer, eine Fussgängerin, ein Rollstuhlfahrer in der Mitte der Strasse queren die Ampelkreuzung, die Ampel zeigt Rot; Anzumerken ist zudem, dass es sich hier um eine auch vom Radverkehr stark frequentierte Stelle handelt, und das im Beidrichtungsverkehr.

d) Fehlende Bodenindikatoren: Die Pflasterung der Fußwege dürfte nur zufällig normkonform sein und Bodenindikatoren (Blindenleitsysteme gemäß DIN 18040 Teil 3 sowie DIN 32.984 -zu den Zusatzeinrichtungen für blinde und sehbehinderte Menschen an Straßenverkehrsanlagen) sind der Straßenbehörde offenbar unbekannt. Jedenfalls stolpert mensch zwischen verschiedenen Pflasterungen, wird sozusagen hin und her gerissen und muss sehr aufpassen, nicht plötzlich auf den Fahrdamm zu geraten.

e) Gefährliches Queren des Gleises auf Ostseite: Bei Überquerung der Straßenbahngleise Übergang Karcherallee Richtung Stübelallee (auf Seite Wiesenstrasse) gibt es nach den Gleisen ein Lichtsignal zur Ankündigung einer nahenden Bahn. Blinde und sehbehinderte Menschen finden keinerlei Signal oder Markierung vor den Gleisen. Der Gehweg verläuft so unmittelbar auf das Gleisbett.

Keine Signalisierung für seheingeschränkte Personen

An der östlichen Seite der Kreuzung Karcherallee / Stübelallee (Richtung Konsum) gibt es keinerlei Signal oder Markierung vor den Gleisen. Ein Mann versucht mit dem Blindenstock vorsichtig zu queren. Eine gefährliche Situation.

Kommentar: Dem Blinden wurde an der beschriebenen Kreuzung schlagartig klar, dass es sich hier um so etwas wie ein „No-Go-Area“ handelt, das er ohne fremde Hilfe nicht betreten kann. Um zum Beispiel die Straßenbahn zu erreichen, muss er von hier aus zur nächsten Haltestelle wandern, weil es erst dort eine gesicherte Straßenquerung gibt!

Maßnahmenvorschläge

1.Reparatur der Fußwege und Straßenquerungen, um ein sicheres Betreten zu gewährleisten
2.Verlängern der Grünphasen der LSA für Fußverkehr.
3.Ausstatten aller Ampeln mit akustischen Signalgebern nach dem Zweisinneprinzip.
4.Installation von Bodenindikatoren bzw. Bodenmaterialien, die eine sichere Orientierung für eingeschränkte Personen ermöglichen, insbesondere auf der Ostseite in Richtung Konsum.
5.Angesichts des hohen Verkehrsaufkommens ist eine Trennung bzw. Entflechtung von Fuß- und Radverkehr empfehlenswert. Zum Beispiel kann die Querung zum Großen Garten deutlich breiter gestaltet werden.
6.Aufstellen von Sitz- und Anlehnmöglichkeiten für ältere Menschen im Umfeld des Knotenpunktes.

Ausblick

Die Verantwortlichen und Fachleute sind nun gefragt und wir übergeben diese Aufforderung primär an den zuständigen Geschäftsbereich mit Straßen-und Tiefbauamt und Straßenverkehrsbehörde. Aber auch die Sozialbürgermeisterin mit ihrer Verantwortung für die Belange von Menschen mit Behinderung und das städtische Wohnkonzept sollte sich diesem Thema annehmen und wird entsprechend von uns angeschrieben, ebenso wie die Stadtpolitik, insbesondere die Stadtratsausschüsse für Bau sowie Soziales, sowie die Beiräte für Menschen mit Behinderungen und Senioren.

Mit hilfesuchenden Grüßen

Dr. Peter Müller, Sigus e.V.
Kontaktdaten:

SWIS (SeniorenWohnen im Stadtteil)
Mail: sigus-dd@t-online.de
Tel.: 0351 / 2632138
Post: c/o Sigus e.V. Schrammsteinstr. 8, 01309 Dresden
Web: www.sigus-dd.de

Dresden zu Fuß - Ortsgruppe im FUSS e.V.
Mail: dresden@fuss-ev.de
Tel.: 0160/ 20 43 45 8, Sprecher: Frank Kutzner)
Post: Dresden zu Fuß (FUSS e.V.), Postfach 280124, 01141 Dresden
Web: www.dresden-zu-fuss.de