Dresden zu Fuß
Ortsgruppe des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V.

Gefährliche Situation für Elbeweg-Anrainer

Handlungsnot: Gefährliche Situation für Elbeweg-Anrainer, u.a. Kinder und Jugendliche der Rudersportabteilung des USV TU Dresden

Dresden, den 24. April 2017

An den Baudezernenten der Landeshauptstadt Dresden,
An den Amtsleiter Straßen- und Tiefbauamt der Landeshauptstadt Dresden,
An die Fraktionen des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden und deren Ortsbeiräte des Ortsamtes Dresden-Blasewitz

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Ihnen sicherlich bekannt ist, kommt es auf dem linkselbischen Rad-und-Wanderweg auch östlich des Blauen Wunders immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern. Dies betrifft nicht nur Konflikte im Längsverkehr, sondern auch Konflikte zwischen Radfahren und Fußgängern, die den Elbeweg queren wollen. Auch die (jüngeren) Mitglieder der dort ansässigen Rudervereine haben beim Bootstransport von den Bootshäusern zu den Stegen Probleme mit schnell fahrenden Radfahrern (Kinderrudersport!).

Verschiedene Versuche der Vereine zur Verbesserung der Situation stießen leider bisher bei der Stadtverwaltung nicht auf ein spürbares Engagement. Insgesamt ist das Verkehrsklima auf dem Elbweg auch aufgrund der hohen Zahl an Nutzern nicht zufriedenstellend. Im Hinblick auf die beginnende touristische Radsaison wie auch die beginnende Rudersaison bitten wir die Stadtverwaltung und die Politik deshalb um eine Initiative ihrerseits zur Verbesserung des Verkehrsklimas. Da die bauliche Situation (bspw. die Breite der Weges) absehbar höchstwahrscheinlich nicht geändert werden kann, sehen wir in verkehrsorganisatorischen Änderungen eine Chance zur Unterstützung kooperativen Verhaltens aller Verkehrsteilnehmer, zum einen hinsichtlich der grundsätzlichen Beschilderung des betroffenen Wegeabschnitts, zum anderen mit punktuellen Warnschildern an den besonders kritischen Querungen vor den Bootshäusern.

Wir bitten Sie um die Prüfung unser im Folgenden aufgeführten Vorschläge, eine Rückmeldung an uns zum Prüfungsergebnis und die Einleitung von Maßnahmen.

Wir hoffen, dass Sie, Politik und Verwaltung gemeinsam mit den betroffenen Vereinen und Verbänden, insbesondere der Ruderabteilung des USV TU Dresden, Lösungen zur Verbesserung der Situation finden. Gern unterstützen wir im Rahmen eines Vor-Ort-Besichtigungstermins. Für eine Kontaktaufnahme mit den betroffenen Vereinen können Sie sich gerne an den Sicherheitsbeauftragten des USV TU Dresden

Mit fußverkehrsfreundlichen Grüßen

Frank Kutzner, Sprecher „Dresden zu Fuß“

Verbesserungsvorschläge von „Dresden zu Fuß“ für den linkselbischen Elb-Rad-und-Wanderweg, östlich des Blauen Wunders:

1. Grundsätzliche Beschilderung

Durch eine Umwandlung des gesamten Weges in einen gemeinsamen Geh- und Radweg (derzeit: für KFZ gesperrte Fahrbahn (Verkehrszeichen 260), abschnittsweise reiner Radweg (Zeichen 237)) kann eine Stärkung der Rechte der Fußgänger gegenüber dem Radverkehr erreicht werden und zudem die Eigenschaft der Fläche als gemeinsam genutzter Verkehrsraum verdeutlich werden. Beim Elbweg handelt es sich – entgegen der oftmals in der Presse anzutreffenden Darstellung – weder um einen Radweg (Zeichen 237), noch um einen Gemeinsamen Geh- und Radweg (Zeichen 240), sondern um eine per Zeichen 260 (Verbot für Kraftfahrzeuge) nur nichtmotorisierten Verkehr freigegebene Fahrbahn. Demensprechend sind Radfahrer hier rechtlich besser gestellt als Fußgänger. Es besteht die Gefahr, dass die Beschilderung zu einem unkooperativen Verhalten einiger weniger Radfahrer gegenüber Fußgängern beitragt, womit umgekehrt die Möglichkeit besteht, durch eine Änderung der Beschilderung hin zu einem Gemeinsamen Geh- und Radweg die Funktion des Elbweges als gemeinsam genutzte Fläche für Fußgänger und Radfahrer stärker zu betonen.

Die Problematik der grundsätzlichen Verkehrsregelung betrifft auch die Führung von Fußgängern und Radfahrern direkt vor dem Schillergarten: Dort führt der direkte barrierefreie Weg (in der folgenden Darstellung mit einer blauen Linie gekennzeichnet) über eine als reiner Radweg beschilderte Rampe, für Fußgänger führt der reguläre Weg ohne Treppen länger (und schmaler) um einen Teil der Schillergartens herum (rote Linie).
Erschwerend kommt hinzu, dass die Oberfläche der unter die Brücke führenden Straße, die beim längeren Weg benutzt wird, deutlich schlechter ist als der direkte, als Radweg ausgeschilderte Weg. De facto benutzen viele Fußgänger – insbesondere Personen mit Mobilitätseinschränkungen – schon heute den Radweg, eine entsprechende Änderung der Beschilderung zu einem Gemeinsamen Geh- und Radweg würde damit auch der tatsächlichen Nutzung Rechnung tragen.

Zugang vom Schillergarten

Zu prüfen ist in diesem Zusammenhang, inwiefern die Änderung der Beschilderung eine Änderung der Widmung erfordern würde, dies ist für uns nicht klärbar.

2. Warnschilder für Bootstransporte

Verschiedene Vereine entlang des Weges haben in der Vergangenheit wiederholt versucht, durch privat aufgestellte Hinweisschilder Radfahrer auf die querenden Bootstransporte hinzuweisen. Die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Dresden hat dies u.a. mit Verweis auf das Verbot des Aufstellens vor Verkehrszeichen untersagt, ohne jedoch selber aktiv zu werden. Wir bitten deshalb um eine Abstimmung der verantwortlichen Stellen der Stadt mit den Verantwortlichen der Sportvereine zur Findung gemeinsamer Lösungen, die einerseits die Problematik aus Sicht der Vereine und der Nutzer des Weges zu entschärfen, andererseits durch die Straßenverkehrsbehörde akzeptiert werden. Nach unserer Ansicht ist das Aufstellen entsprechender Schilder bzw. Verkehrszeichen trotz der rechtlichen Bedenken der Stadt hierfür ein probates Mittel.

Gemäß § 45 Abs. 9 StVO dürfen Gefahrzeichen „nur dort angebracht werden, wo es für die Sicherheit des Verkehrs unbedingt erforderlich ist, weil auch ein aufmerksamer Verkehrsteilnehmer die Gefahr nicht oder nicht rechtzeitig erkennen kann und auch nicht mit ihr rechnen muss.“
Dies trifft auf den Elbweg zu: Aufgrund der Eigenschaft des Weges als Fernradweg wird er in erheblichem Umfang auch von ortsfremden Radfahrern genutzt. Querende Personen mit Booten (die sich ihrerseits aufgrund Größe und Gewicht der Boote nur eingeschränkt in die Richtung der nahenden Radfahrer drehen können) sind selbst am Elbweg unüblich und treten nur an einzelnen Punkten auf, sodass die Warnung davor angezeigt ist. Bootstransporte im Straßenverkehr gehören zu den Gefahren, die so selten sind, dass Personen ohne Ortskenntnis damit weder rechnen können, noch müssen. Entsprechende Verkehrszeichen sind dementsprechend aus unserer Sicht aufgrund der örtlichen Situation nicht nur sinnvoll, sondern die Anordnung auch rechtlich zulässig.
Zwar gibt es kein passgenaues Zusatzzeichen für die Warnung vor Bootstransporten, allerdings hat das Straßen und Tiefbauamt auch an andere Stelle – bspw. am Fährgarten Johannstadt (dort: „Bitte langsam fahren – spielende Kinder“) – Lösungen gefunden, um Verkehrsteilnehmer vor Gefahren zu warnen und zu gegenseiteigne Rücksichtnahme anzuhalten. Auch die Kombination von Zeichen 101 (Gefahrstelle) mit einem Zusatzzeichen „Bootstransporte“ wird in Deutschland in einzelnen Kommunen angewendet.

Anlage: Kleinräumige Verbesserungsmöglichkeiten an den Einmündungen entlang des linkselbischen Geh- und Radweges südöstlich des Blauen Wunders, von Nordwest nach Südost

Im Rahmen unserer Ortsbesichtigung wurden wir auf verschiedene kleinere Verbesserungsmöglichkeiten für den Fuß- und Radverkehr aufmerksam, die wir in einer Anlage zu diesem Schreiben ergänzend zusammengefasst haben.

Alle Einmündungen:
• Ergänzung weißer retroreflektierender Elemente an allen Absperrpfosten, bei denen sie derzeit fehlen, zur Erhöhung der Sichtbarkeit der ansonsten grauen Pfosten für Fußgänger und Radfahrer (vgl. dazu Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen, Abschnitt 3.2.2.2).

Ergänzung retroreflektierender Elemente

Einmündung Fuchsstraße:
• Wegnahme der auf beiden Gehwegen stehenden Pfosten, auf dem südöstlichen Gehweg misst die derzeit verbleibende Durchgangsbreite nur knapp einen Meter. Die durch die Wegnahme der Pfosten entstehenden Lücken sind für PKW zu schmal, ein Missbrauch dementsprechend nicht zu erwarten.

Wegnahme Pfosten auf Fuchsstraße

Einmündung Ferdinand-Avenarius-Straße:
• Anbringen eines Straßennamensschildes zur Verbesserung der Orientierung, vorzugsweise direkt am Elbweg (neuer Mast erforderlich), ggf. an der am oberen Ende der Rampe stehenden Laterne
• Wegnahme des auf dem Gehweg stehenden Pfostens zur Verbreiterung der Durchgangsbreite

Orientierung Avenariusstraße

Einmündung Spohrstraße:
• Wegnahme des auf dem Gehweg stehenden Pfostens (grundsätzlich wäre zur Nutzbarkeit des Gehweges für mobilitätseingeschränkte Personen allerdings eine Sanierung der Oberfläche erforderlich)

Wegnahme Pfosten auf Spohrstraße